Kontakte sind sein Kapital

Reinsfelder Unternehmer Roland Kattrin organisiert erstmals Märker Kirmes in Thalfang


Von unserem Mitarbeiter
KLAUS KIMMLING

THALFANG. Die Märker Kirmes gilt seit Jahrzehnten als Glanzpunkt in der Gemeinde Thalfang und ist zugleich Publikumsmagnet für die Bevölkerung der umliegenden Dörfer. In diesem Jahr feiert die traditionelle Kirmes eine Premiere: Die Organisation der Veranstaltung mit Traditions-Charakter übernimmt erstmals ein Veranstaltungsbüro.

Das Reinsfelder Büro Roland Kattrin soll dafür Sorge tragen, dass die Märker Kirmes zu einem Publikumsmagneten wird. Kattrin hat ein Interesse daran, dass die Kirmes zu einem Schlager wird. Abzüglich der Summe, die er der Ortsgemeinde und den verpflichteten Künstlern oder Gruppen abtritt, fließt der Erlös in seine Kassen. Der Firmeninhaber und einstige Musiker begleitete als Schlagzeuger in den Endsechzigern und Anfang der Siebziger die bekannte Musikband "Bluebirds".

Mit Lena Valaitis und Roland Kaiser stand er gemeinsam auf der Bühne. Heute ist der Schlagzeuger Veranstaltungskaufmann und angeschlossen im Bundesverband für Veranstaltungs-Wirtschaft.

Gute Kontakte zu den Künstlern

Die Schürzenjäger gehören mittlerweile genauso zu seiner Klientel wie Klaus Lage und die "Leiendecker-Bloas". Selbst Jennifer Rush stand bei ihm schon unter Vertrag. "Das waren noch Zeiten", blickt der heutige Unternehmer gern zurück, wenngleich, und das kommt so aus seinem Munde, "war mein Musiker-Talent eher durchschnittlich".

Und: "Hinter den Kulissen fühlte ich mich eigentlich immer wohl, das Organisatorische lag und liegt mir". Diese Begabung sei heute die Basis für sein Unternehmen.

Die Musik betrachtet er als sein Geschäft, seine Kontakte zu den Musikern und den Künstlern sind Teil seines Betriebskapitals, das "es zu pflegen und auszubauen gilt", nennt der Kaufmann seine Unternehmens-Philosophie. Bis zu 50 Leute kann er innerhalb kürzester Zeit abrufen und dort einsetzen, wo er sie braucht. Im letzten Jahr oblag ihm und seinem Team die Organisation der Hermeskeiler Stadtwoche. Auch die Reinsfelder Kirmes,vergleichbar mit der Märker Kirmes in Thalfang, lag im letzten Jahr in seiner Verantwortung.

Der Ortsbürgermeister von Thalfang hat die Vorteile des Delegieren für sich entdeckt. Damit sind er und die Gemeinde fein raus. Seine Tätigkeit in Sachen Kirmes beschränkt sich 2002 erstmals auf die Vertragsgestaltung mit Kattrin und muss dabei nur sehen, dass "für die Ortsgemeinde möglichst viel rausspringt".

Dafür liefert das Veranstaltungsbüro frei Haus sozusagen Zelt, Bewirtung, Auftritte von Bands und oder Künstlern. Selbst den Eintritt für die Events im Festzelt legt er fest.

Der Familienbetrieb Kattrin ­ im Hintergrund wirken Ehefrau Hilde und drei Kinder ­ übernimmt auch die Plakatierung in der Region, wo auf die Märker Kirmes hingewiesen wird.

Die Fahrgeschäfte wie Autoscooter, Schiffschaukel und Karussells sowie die Schießbuden liegen noch in Gaspers Zuständigkeit, weil sie auf vertraglicher Basis mit der Gemeinde Thalfang verbunden sind.

Dem Organisator steht die Arbeit noch ins Haus. Die Vorbereitungen laufen bereits, das Programm für die insgesamt viertägige Kirmes steht noch nicht fest ­ allerdings bleibt ja noch einige Zeit bis Mitte September. Traditionell ist nicht nur die Kirmes an sich, sondern auch der Termin am dritten Wochenende des September.

Bisher war es so, dass die Organisaton der turbulenten Tage einem oder mehrerer örtliche Vereine übertragen wurde und die Ortsgemeinde als Veranstalter fungierte. Mehrmals aber betätigte sie sich unter der Mithilfe der Vereine als Ausrichter oder aber Gastronomen übernahmen das Geschäft.

Suche nach Ausrichtern immer schwieriger

Im letzten Jahr organisierte die Freiwillige Feuerwehr anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens die Kirmes-Tage. "In den letzten Jahren aber wurde es zusehends schwieriger, einen Ausrichter für eine derart große Veranstaltung zu finden", stellt Ortsbürgermeister Franz-Josef Gasper fest. Die Vorbereitungen seien immens, der finanzielle Erfolg sei völlig offen.

Niemand reiße sich um die Ausrichtung der Kirmes, glaubt Gasper. Die Ansprüche der Bevölkerung an eine Kirmes haben sich geändert. Die Besucher erwarten Highlights, und die Attraktionen kosten für gewöhnlich Geld. Die Zahl der Veranstaltungen ringsum nimmt zu, auch das Wetter spielt nicht immer mit.

Roland Kattrin selbst sieht sich gewappnet, seine Vorteile liegen zum einen in den über Jahre gewachsenen Kontakten zu den Künstlern, zum anderen seine Möglichkeiten in der Vertragsgestaltung mit den Getränkefirmen. "Wie der das macht", so Franz-Josef Gasper ein wenig ratlos, "bleibt sein Geheimnis", die Vereine mussten beim Ausrichten der Kirmes keine der zahlreichen Helfer bezahlen.